Das ist mein erster Artikel dieser Art, und ich möchte ihn nutzen, um einige persönliche Gedanken und praktische Erfahrungen mit Power Apps Code Apps zu teilen. Es geht hier nicht um Feature-Ankündigungen oder polierte Demos — sondern darum, was tatsächlich passiert, wenn man diesen Ansatz in ein echtes Szenario einbaut.
Ich habe einige Zeit in meiner Freizeit mit Code Apps experimentiert und das Konzept als wirklich mächtige Art der App-Entwicklung schätzen gelernt. Interessant finde ich dabei nicht die Technologie an sich, sondern dass sie endlich einen gemeinsamen Raum für klassische Software-Entwickler und Power-Platform-Teams schafft.
Eine neue gemeinsame Basis für Entwickler und Power-Platform-Teams
Jahrelang endeten Diskussionen über Stärken und Grenzen von Low-Code in einer von drei Varianten, sobald eine wirklich individuelle Anforderung auftauchte: eine Eigenentwicklung ausserhalb der Power Platform, eine Canvas App, die professionelle Software-Entwicklungsstandards nie ganz erfüllt hat, oder eine Model-Driven App, die das konkret benötigte UI nicht liefern konnte.
Power Apps Code Apps verändern diesen Ausgangspunkt. Professionelle Entwickler können mit den Technologien arbeiten, die sie ohnehin kennen — React, TypeScript — während das Power-Platform-Team Hosting, Dataverse, ALM, Governance und Security mit nativen Plattform-Funktionen steuert.
Um es klar zu sagen: Es geht nicht darum, Low-Code zu ersetzen. Es erweitert die Plattform. Und meine Meinung ist: produktionsreife Szenarien brauchen weiterhin erfahrene Entwickler, die Code-Security und Wartbarkeit verstehen. In diesem Sinne sind Code Apps ein Werkzeug für professionelle Entwickler und nicht primär ein Citizen-Developer-Feature.
Was ich gebaut habe: einen Capacity Planner
Um ein realistisches Gefühl dafür zu bekommen, brauchte ich einen Use Case, der kein Spielzeug ist. Ich habe eine App zur Kapazitätsplanung gebaut: Personen, Projekte, Teams, Rollen und Abwesenheiten auf der Datenseite — Allocations, Demand und eine Übersicht auf der Planungsseite.
Die Übersichtsseite aggregiert genau die Zahlen, die in einem Planungsgespräch wirklich gebraucht werden — Gesamtkapazität, Abwesenheiten, allozierte Stunden, verfügbare Stunden und eine Auslastung in Prozent — und bricht die gleichen Werte anschliessend pro Teammitglied herunter, inklusive FTE, Monatskapazität und Restschätzung.
Das ist genau die Art von Screen, die früher mühsam war. Dicht, tabellarisch, mit berechneten Spalten und Fortschrittsanzeigen — und trotzdem lesbar. Mit React und TypeScript ist das unspektakuläre Arbeit. Genau das ist der Punkt.
Was passiert, wenn eine Power Apps Code App erstellt wird?
Alles sollte innerhalb einer Solution liegen. Solutions bleiben das Rückgrat von ALM in der Power Platform, und eine Code App ist da keine Ausnahme. Der relevante Befehl, um eine Code App in eine Solution zu pushen, lautet:
pac code push -s <solution-name>
Damit wird die Code App in die angegebene Solution gepusht und zu einer vollwertigen Solution-Komponente.
Was mir an dieser Ansicht gefällt, ist wie unspektakulär sie aussieht. Die Code App liegt in der Solution neben neun Dataverse-Tabellen, einem Cloud Flow, einer Connection Reference und einer Umgebungsvariable. Sie ist einfach eine weitere Komponente mit einem Typ — genau das, was man braucht, wenn die App später kontrolliert durch die Umgebungen wandern soll.
Code Apps pro Umgebung aktivieren
Wenn beim Pushen von Code Apps Fehler auftreten, liegt die Ursache sehr oft daran, dass die benötigte Einstellung in der Zielumgebung nicht aktiviert ist. Zu finden ist sie im Power Platform Admin Center unter Environments → deine Umgebung → Settings → Product → Features.
Zwei Dinge lohnen sich hier genau zu lesen. Erstens braucht jede Umgebung im ALM-Prozess diese Aktivierung — in einem Standard-Enterprise-Setup heisst das DEV, TEST und PROD, nicht nur diejenige, in der man gerade entwickelt. Zweitens ist die Einstellung ein Kill Switch: Wird sie ausgeschaltet, stoppen laufende Apps. Das ist ein Governance-Hebel, und es ist gut zu wissen, dass er existiert, bevor ihn jemand umlegt.
Sobald die Einstellung gesetzt ist, verhalten sich Code Apps wie jeder andere native App-Typ in der Plattform. Ein kleines Detail, aber genau die Art von Detail, die einen halben Nachmittag kostet, wenn man nicht weiss, wo man suchen muss.
Administration, Inventar und Governance
Dank der jüngsten Verbesserungen im Power Platform Admin Center können Administratoren sehen, wenn Code Apps erstellt werden. Sie erscheinen im Maker Inventory als eigener Item-Typ und lassen sich entsprechend filtern.
In der Praxis bringt das drei Dinge: Sichtbarkeit, wo Code Apps eingesetzt werden, Kontrolle darüber, wer sie erstellen darf, und konsistente Governance neben Canvas Apps und Model-Driven Apps. Code Apps passen sich in das bestehende Governance-Modell ein, statt ein neues zu erzwingen — aus CoE-Sicht die wichtigste Eigenschaft überhaupt.
Deployment in andere Umgebungen
Sobald die App Teil einer Solution ist, greift der normale ALM-Prozess. In meinem Fall der Kapazitätsplanung enthielt die Solution die Code App, die Dataverse-Tabellen, einen Cloud Flow und Umgebungsvariablen — es blieb also nichts Spezielles zu behandeln.
Das Deployment hat die gesamte Solution von Development nach Produktion verschoben, genau wie jede andere Power-Platform-Solution, versioniert und nachvollziehbar. Code Apps verhalten sich hier tatsächlich wie andere App-Typen: Sie sind Solution-Komponenten, die konsistent gespeichert, deployt und verwaltet werden können. Nach dem Deployment lässt sich die App in der Zielumgebung einfach öffnen und nutzen.
Fazit
Mein Hauptziel war es, eine persönliche Perspektive darauf zu teilen, warum Power Apps Code Apps wirklich Spass machen — nicht, endgültige Antworten zu präsentieren. Es gibt noch viel herauszufinden, und vieles davon hängt vom eigenen Plattform-Setup und Team ab.
Deshalb interessiert mich: Würdest du Code Apps für deine Szenarien in Betracht ziehen, oder schaust du erst noch eine Weile zu, wie sich die Technologie entwickelt? Ich diskutiere gerne darüber, wie solche Technologien in Unternehmen oder Kundenszenarien integriert werden.
Deine Erfahrungen?
Hast du Fragen oder schon etwas mit Code Apps gebaut? Was waren deine Learnings, Stolpersteine oder Aha-Momente? Ich freue mich auf den Austausch – gerne über das Kontaktformular oder auf LinkedIn.
Dieser Artikel wurde ursprünglich auf LinkedIn veröffentlicht ↗.


